| Nachrichtenagenturen - ein Überblick - Seite 3 |
| Montag, den 04. Juni 2001 um 19:02 Uhr | |||||
Seite 3 von 3 Texte und Bilder der Nachrichtenagenturen kommen überwiegend über Satellit in die angeschlossenen Redaktionen. Zunehmend wird auch das Internet zumindest für bestimmte Einsatzzwecke wie das Backup im Fall einer Übertragungsstörung genutzt. Die Korrespondentenbüros sind national wie international zumeist mit festen Standleitungen vernetzt. Pressemitteilungen kommen auf dem Postweg, mit Telefax und zunehmend auch als E-Mail in die Agenturredaktionen. Die zentrale Leistung der Nachrichtenagenturen besteht im preiswerten Angebot aktueller Texte - preiswert verglichen mit den Kosten für die Eigenproduktion: auf den Bezug von Agenturdiensten entfallen durchschnittlich weniger als fünf Prozent der Redaktionskosten. Die Bedeutung der Agenturen für die Massenmedien erschöpft sich aber nicht in dieser Rationalisierung der Nachrichtenbeschaffung. So geben Nachrich-tenagenturen auch Orientierungshilfe in der Informationsflut. Ihre Gewichtungen von Ereignissen beeinflussen die Rangordnung, die die Nachrichtenthemen des Tages in den Redaktionen erhal-ten. Bei diesem sogenannten Agenda-Setting orientieren sie sich an anderen Leitmedien wie den Nachrichtensendungen im Fernsehen oder den wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazinen. Die Informationsflut kann auch in der Form eingedämmt werden, daß sogenannte Selektionsdienste angeboten werden: der Agentur-kunde erhält dann nur Informationen zu den ihn interessierenden Themen. Je nach Bedeutung eines Ereignisses oder Themas bieten die Agenturen den Beziehern ihres Nachrichtendienstes Ergän-zungen zur Kernberichterstattung an: Begleitende Hintergrund-berichte oder Reportagen, Fotos und Grafiken. Seit Ende der 80er Jahre hat sich das Angebot der Nachrichten-agenturen für Presse und Rundfunk erheblich ausgeweitet. Der aktuelle Basisdienst hat bei dpa einen durchschnittlichen Umfang von täglich 500 bis 600 Meldungen. Bei AP, Reuters und AFP sind es jeweils 200 bis 400 Meldungen. Als charak-teristische Unterschiede in Stil und Aufmachung der Nachrichten nennen Zeitungsredakteure bei dpa betonte Sachlichkeit, bei AP und AFP sprachlich aufgelockerte Darstellung und bei Reuters präzise Knappheit. Die ausführlichste Wirtschaftsbericht-erstattung bieten dpa und Reuters. Das größte internationale Korrespondentennetz können AFP, AP und Reuters nutzen. Zum AP-Dienst gehören wöchentliche Pakete mit aktuellen, aber nicht unbedingt an den Tag gebundenen Meldungen, Hintergrundberichten und Rezensionen zu den Themen Kino/Film, Computer, Popmusik, Gesundheit, Verbraucherservice sowie Geld/Börse. Soft News, also bunter Lesestoff und Lifestyle-Berichterstattung, gelten als Schwerpunkte von AP und AFP. Regionale Landesdienste werden nur von dpa und ddp angeboten. Darüber hinaus bieten die Nachrichtenagenturen auch nichttextgebundene Informationen an. Einen aktuellen Bilder-dienst gibt es bei dpa, AP, und Reuter; hier arbeitet AFP mit dpa bei der internationalen Bildberichterstattung in der European Pressphoto Agency (EPA) zusammen. Infografiken zu aktuellen Themen gibt es inzwischen von nahezu allen Nachrichtenagenturen, spezielle Audio-Angebote von dpa, AFP und ddp. Aktuelle Nachrichtenfilme bieten Reuters Television und die AP-Tochter APTN. In Deutschland konkurrieren fünf Nachrichtenagenturen miteinander. Diese international einmalige Situation hat dazu geführt, daß die Agenturen den Bedürfnissen ihrer Kunden immer weiter entgegenkommen - der Wettbewerb wird nicht nur über Bezugspreise (die sich bei dpa und AP an Auflagenhöhe von Zeitungen und Reichweite von Sendern richten), sondern vor allem auch über Vielfalt und Qualität des journalistischen Produkts geführt. Marktführerin ist dpa, die für die meisten Zeitungen auch wegen ihrer Landesdienste unverzichtbar ist. Ihr Basistextdienst wurde 1999 von 132 der 136 publizistischen Einheiten (Tageszeitungen mit Vollredaktion) bezogen und erreicht damit 98,5 Prozent der Gesamtauflage. AP beliefert 92 (84,4 Prozent), Reuters 52 (62,5 Prozent), AFP 31 (42,1 Prozent) und die 1999 vom Fernsehsender Pro7 übernommene Nachrichtenagentur ddp 24 publizistische Einheiten mit einer Reichweite von 35,1 Prozent der gesamten Zeitungsauflage von rund 24 Millionen. Lediglich 18,4 Prozent beschränken sich auf den Bezug einer einzigen Nachrichtenagentur (zumeist dpa). 41,2 Prozent haben Verträge mit zwei Agenturen, wobei dpa und AP die häufigste Kombination ist. Je stärker die Konkurrenz zwischen den Zeitungen in einem Verbreitungsgebiet, desto eher die Neigung zum Bezug von mindestens drei Agenturen. Zum Markt der Rundfunkkunden gibt es keine neueren Zahlen; doch liegt nach einer Untersuchung aus dem Jahr 1996 auch hier dpa auf Platz 1, gefolgt von den etwa gleichauf rangierenden Zweitagenturen AP, rtr und AFP sowie ddp. Noch in Bewegung ist der Markt der Online-Angebote und Web-Portale als Bezieher von Agenturmeldungen. |






