| Schweiz/Nachrichtenagenturen/Dienstende |
|
| Sonntag, den 28. März 2010 um 19:10 Uhr | |||
|
"Schweiz/Nachrichtenagenturen/Dienstende" - so lautet die Stichwortzeile der APC7365, gesendet heute um 18.21 Uhr: Dies ist die letzte Meldung des deutschsprachigen Schweizer Dienstes der Nachrichtenagentur ddp, ehemals AP. Damit geht ein Stück Schweizer Mediengeschichte zu Ende. We want to drive consolidation, we don't want to be driven" - so hatte AP-Manager Nigel Baker den Rückzug aus dem deutschsprachigen Nachrichtenmarkt begründet. In der Schweiz ist es jetzt soweit mit der Konsolidierung, das ehemalige AP-Büro hat noch wenige Wochen als ddp Schweiz weitergearbeitet und sich am Sonntag von ihren Beziehern verabschiedet. Nutznießer ist die Schweizerische Depeschenagentur (SDA), die einen agilen Konkurrenten verloren hat und als einzige Nachrichtenagentur mit Vollangebot übrig bleibt. Neben der neuen Monopolstellung im Schweizer Agenturgeschäft erhält die SDA auch eine Lizenz für den Content von DAPD - dieser Dienst wird von der ehemaligen AP in Deutschland unter Nutzung der internationalen AP-Nachrichten erstellt. Für sein Angebot an internationalen Nachrichten arbeitet die SDA bislang auch mit dpa, AFP und Reuters zusammen. Leidtragende sind die Beschäftigten, die von ihrer Kündigung und der Entscheidung zur Einstellung des Dienstes am 28. Januar überrascht wurden. Die meisten von ihnen haben bislang keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. Die Geschichte der Nachrichtenagenturen in der Schweiz begann 1894. Auf Initiative des Journal de Genève wurde zunächst ein "Syndikat der schweizerischen Zeitungen" gegründet, aus dem im Dezember 1894 die SDA hervorging. Hintergrund war das Bedürfnis nach Nachrichten aus Schweizer Perspektive - bis dahin bezogen die Zeitungen ihre Meldungen entweder vom Wolffschen Telegraphenbüro (WTB) in Deutschland oder von der französischen Agentur Havas.
Eine erste Konkurrenzagentur entstand 1917 unter dem Eindruck der politischen Polarisierung gegen Ende des Ersten Weltkriegs. Damals wurde die Agentur Schweizer Mittelpresse gegründet, die bis zu ihrem Ende im Jahr 1993 als Schweizerische Politische Korrespondenz (spk) firmierte und aus einer "betont bürgerlichen" Perspektive berichtete. Weitere Konkurrenz kam 1958 hinzu, als die amerikanische Nachrichtenagentur UPI einen eigenen Schweizer Dienst gründete. Nach der Einstellung des UPI-Dienstes in Deutschland und dem daraus hervorgegangenen Deutschen Depeschendienst (ddp) wurde 1972 auch ein ddp-Dienst für die Schweiz gegründet, der bei den Medien bald Anklang fand. "Der DDP war schneller als die SDA, da die Strukturen viel einfacher aufgebaut waren", heißt es in dem1995 erschienenen Buch "Die AktualiTäter" über die Nachrichtenagenturen der Schweiz. Mit dem Start von AP in der Schweiz wurde die publizistische Vielfalt im Angebot der Nachrichtenagenturen weiter vergrößert. Der Schweizer Dienst von AP ging am 21. Mai 1981 mit einer Meldung über die Gewerkschaft Druck und Papier auf Sendung und konnte in kurzer Zeit 30 deutschsprachige Zeitungen als Abnehmer gewinnen - für die Zeitungen in der Westschweiz wurde ein eigener Dienst in französischer Sprache eingerichtet. Unter dem verschärften Konkurrenzdruck und auch unter dem Einfluss von finanziellen Problemen der Agentur in Deutschland wurde der Schweizer ddp-Dienst 1983 eingestellt. Dass die Vielfalt von den Medienkunden durchaus gewünscht wird, wurde der AP in der Schweiz zum 25. Jahrestag von vielen Seiten bestätigt. "Ohne AP ist unsere Arbeit nicht mehr vorstellbar. AP Schweiz bringt viel Substanz, Tempo, Attraktivität, Frische und Farbe ins News-Business", erklärte vor vier Jahren der damalige Chef der Tagesschau im Schweizer Fernsehen (SF), Heiner Hug. "Falls nicht im AP-Mutterhaus unvorhergesehene Schwierigkeiten auftauchen sollten", so schrieben Markus Dütschler und Stefan Herrmann vor 15 Jahren in "Die AktualiTäter", werde AP weiterhin als Zweitagentur neben der SDA ihren Platz einnehmen. Jetzt sind diese Schwierigkeiten mit der Zeitungskrise in den USA eingetreten, und die SDA bleibt als einzige Nachrichtenagentur mit einem Schweizer Dienst übrig.
|







