Journalistische Hebelwirkung

Wer bei einer Nachrichtenagentur arbeitet, muss Allround-Journalist sein. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, so hat ihn jetzt Stefan Lange geliefert, Korrespondent von DAPD, der ehemaligen AP in Deutschland.

Samstagnachmittag, in Italien: Der Berliner Journalist begleitet Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer langen Heimreise aus den USA über Portugal nach Deutschland. Stefan Lange hat mehr als 30 Nachrichten und Berichte aus Washington, Los Angeles, Lissabon und Rom nach Frankfurt übermittelt, auch von der ungewöhnlichen Fahrt im Buskonvoi - vulkanisches Aschetreiben aus Island hat der Delegation den Luftweg versperrt.

Da kommt es im Konvoi der Regierungschefin zu einem weiteren Missgeschick. Auf der Autobahn zwischen Rom und Bozen platzt hinter der gepanzerten Limousine der Kanzlerin der rechte Hinterreifen des Busses der Medienvertreter. Der erfahrene Reporter hält Ort und Zeit fest: in der Nähe von Siena, 18.11 Uhr. Der Busfahrer bringt sein Fahrzeug sicher zum Stehen. Der Reifen sei völlig zerfetzt gewesen, sagt Lange. Es riecht nach verbranntem Gummi.

Während der Wagen mit Merkel auf dem Strandstreifen wartet, sucht der Busfahrer verzweifelt nach einer passenden Stange mit Hebelwirkung, um die Schrauben des defekten Rads zu lösen. Wo ist sie denn? "Da habe ich dann das Ding gesucht und schließlich auch beim Reserverad gefunden", sagt Lange. "Das war eine klassische Rechercheleistung."

Das Auto mit der Kanzlerin fährt aus Sicherheitsgründen weiter. Zusammen mit dem Fahrer wechselt Lange den Reifen, um 19.30 Uhr kann die Fahrt fortgesetzt werden. Mit mehr als 48 Stunden Verspätung trifft der Tross schließlich in Berlin ein und Stefan Lange kann Bilanz ziehen: "Das war meine erste Kanzlerreise."