"Der angekündigte KORR-Bericht entfällt"

Nachrichtenagenturen weisen die Redaktionen ihrer Kunden darauf hin, wenn ein angekündigter Bericht wider Erwarten nicht gesendet werden kann. So tickerte die Deutsche Presse-Agentur heute nachmittag: "Der angekündigte Korr-Bericht zum Kachelmann-Prozess entfällt." Was auf den ersten Blick wie Routine im Agenturalltag aussah, hatte diesmal aber eine ganz andere Dimension: Der dpa-Reporter, der seit Monaten über den Prozess gegen den prominenten TV-Moderator berichtet, wurde kurzzeitig festgenommen und beschuldigt, die Richter der 5. Großen Strafkammer des Mannheimer Landgerichts illegal abgehört zu haben. 

Der Agenturjournalist hatte nach dem Ende der Verhandlung auf dem Bürgersteig vor dem Gerichtsgebäude einen Radiobeitrag in ein Aufnahmegerät gesprochen. Dabei stand er nach eigener Aussage unwissentlich vor dem Fenster eines Raumes, in dem sich die Richter der Strafkammer aufhielten. Ein Richter habe das Fenster geöffnet und ihn beschuldigt, die Kammer abzuhören, berichtete der dpa-Journalist. Beamte der Kriminalpolizei nahmen ihn vorläufig fest und beschlagnahmten das Aufnahmegerät sowie das Dienst-Handy.

Am Abend protestierte dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner "massiv gegen diese Behinderung der Berichterstattung". Das Vorgehen des Gerichts sei völlig unverständlich und unbegründet. Der Reporter habe nichts anderes tun wollen als seine Arbeit zu machen. Büchner sprach von einem "massiven Angriff auf die grundgesetzlich geschützte Pressefreiheit" und verlangte neben der Rückgabe der Arbeitsgeräte eine Entschuldigung "für dieses absolut unangemessene Vorgehen".