Twitternde Reporter - schneller als AP erlaubt
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- Erstellt am Mittwoch, 16. November 2011 09:55
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Twitter ist schnell. Oft schneller als jede Nachrichtenagentur. Und manchmal schneller, als eine Nachrichtenagentur erlaubt. Das haben jetzt Reporter von Associated Press erfahren, die in New York über das Vorgehen der Polizei gegen die Occupy-Protestbewegung berichteten - und dabei twitterten, dass zwei ihrer Kollegen festgenommen wurden. Einen Tag danach waren diese Tweets gelöscht, offenbar nach einer internen Rüge in einer an alle Beschäftigten verschickten Mail, die dem Online-Magazin Daily Intel zugespielt wurde.
"We have had staff tweet – BEFORE THE MATERIAL WAS ON THE WIRE – that staff were arrested", heißt es dort. Den twitternden Reportern wird demnach vorgehalten, gegen die Social Media Guidelines von AP verstoßen zu haben. Diese enthalten den Grundsatz: "Don’t break news that we haven’t published, no matter the format. If you have a piece of information, a photo or a video that is compelling, exclusive and/or urgent enough to be considered breaking news, you should file it to the wire, and photo and video points before you consider putting it out on social media." Einen ähnlichen Grundsatz gibt es auch bei Reuters.
Allerdings schrieb Anthony DeRosa, Social-Media-Redakteur bei Reuters, in einem kritischen Blog-Beitrag, es sei nicht akzeptabel, dass ein Agenturjournalist schneller einen Tweet absetzen könne als eine Agenturmeldung. Nachrichtenagenturen müssten schneller werden und ihren Reportern die entsprechenden Mittel dafür geben. Eine Leitlinie, die das Twittern vor dem Tickern untersage, bringe eine Nachrichtenagentur in einen Wetbewerbsnachteil gegenüber anderen Medien. Außerdem dürfe der Beitrag der eigenen Journalisten, die in den Sozialen Medien unterwegs seien, zur Stärkung der eigenen Marke nicht unterschätzt werden, schrieb DeRosa. "Zur Präsenz der eigenen Journalisten auf diesen Plattformen gehört auch dazu, ihnen die Freiheit zu lassen, normale Menschen zu sein und keine Roboter, PR-Maschinen oder Sklaven des Tickerdienstes." Nachrichtenagenturen müssten die Werkzeuge für den Newsroom der nächsten Generation entwickeln - oder aber mit ihrem Untergang rechnen.
Ähnlich twitterte auch Brian Stelter von der New York Times, wenn der Agenturticker von Twitter geschlagen werde, müsse er halt noch schneller werden. Ebenso aber - so eine naheliegende Schlussfolgerung - könnten Nachrichtenagenturen Twitter auch einfach als einen weiteren Kanal für ihre Berichterstattung nutzen, spezialisiert auf die schnelle Micro Coverage.