| Kommunikative Funktionen der Agenturarbeit - Seite 3 |
| Donnerstag, den 28. September 2000 um 19:23 Uhr | ||||||
Seite 3 von 4 3.2. Redaktionsstrukturen Die Voraussetzungen für einen gleichmäßigen aktuellen Nachrichtenfluß sind erstens ein reibungslos funktionierendes System von Korrespondenten vor Ort, Außenbüros und Zentrale und zweitens die technischen Kapazitäten zur ständigen internen Vernetzung dieses Systems sowie zur Übermittlung des Nachrichtendienstes an seine Bezieher. Die Außenbüros im Inland oder im Ausland haben die Aufgabe, die Entwicklungen in ihrer Region kontinuierlich zu beobachten und die Berichterstattung über aktuelle Ereignisse zu gewährleisten. Sie sind es vor allem, die Selektionsentscheidungen treffen und die Korrespondenten oder freien Mitarbeiter dementsprechend einsetzen. Die Außenbüros stimmen sich dabei mit der Zentrale ab, teilweise geschieht dies regelmäßig über tägliche Telefonkonferenzen. Die größeren Außenbüros redigieren bereits die Texte ihrer Korrespondenten, bevor sie in der Zentrale umgeschlagen werden. Ein erheblicher Teil der Redigierarbeit ist ansonsten in der Zentrale zu leisten. Dort trifft ein Schichtleiter für die verschiedenen Ressorts die letzte Entscheidung, ob eine Meldung in der vorliegenden Form gesendet wird. Dessen Arbeitsplatz - nach der angloamerikanischen Agenturfachsprache Slot genannt - ist die eigentliche Schaltzentrale des fortlaufenden Nachrichtendienstes (Zschunke 1994, 213-218). Der Schichtleiter gibt auch Anfragen aus den Redaktionen der Agenturkunden an Außenbüros oder gegebenenfalls an die Chefredaktion weiter. Ein erheblicher Teil der Agenturarbeit in den Außenbüros wie in der Zentrale besteht in der Sichtung eingehender Pressemitteilungen, der Prüfung von Vorabmeldungen der Medien sowie in der Auswertung von anderen Agenturdiensten, deren Meldungsangebot zur Ergänzung der eigenen Berichterstattung bezogen wird. In den nationalen Vertretungen der Weltagenturen mit einem eigenen Nachrichtendienst in der jeweiligen Landessprache (z.B. die deutschen Dienste von AP, Reuter, AFP) besteht neben der eigenständigen Nachrichtensammlung im Inland ein Auslandsressort, in dem das oft mehrsprachig eintreffende internationale Meldungsangebot für den Dienst in der eigenen Sprache aufbereitet wird. In der Gegenrichtung werten die für den Weltdienst tätigen Korrespondenten neben eigenen Recherchen den Inlandsdienst aus. 4. Funktionen für die Agenturkunden Die zentrale Leistung der Nachrichtenagenturen besteht im preiswerten Angebot aktueller Texte - preiswert verglichen mit den Kosten für die Eigenproduktion: auf den Bezug von Agenturdiensten entfallen durchschnittlich weniger als fünf Prozent der Redaktionskosten (Höhne 1995, 22). Die Bedeutung der Agenturen für die Massenmedien erschöpft sich aber nicht in dieser "Rationalisierung der Nachrichtenbeschaffung" (Blum 1995, 11). So geben Nachrichtenagenturen auch wertvolle Orientierungshilfen in der Informationsflut. Ihre Gewichtungen von Ereignissen beeinflussen die Rangordnung, die die Nachrichtenthemen des Tages in den Redaktionen erhalten. Die Tatsache, dass sich die Agenturen beim "Agenda-Setting" wiederum an anderen Leitmedien orientieren, bedeutet keine Abschwächung dieser Funktion, sondern erhöht eher ihren Wert: Die Strukturierung der Themenvielfalt seitens der Agentur ist keine beliebige, sondern entspricht gewissermaßen der volonté générale der Massenmedien. Die Informationsflut kann auch in der Form eingedämmt werden, dass sogenannte Selektionsdienste angeboten werden: der Agenturkunde erhält dann nur Informationen zu den ihn interessierenden Themen. Die Kanalisierung des nie abreißenden Nachrichtenflusses setzt stets an der einzelnen Meldung an. Eine entscheidende Kompetenz des Agenturjournalisten besteht darin, die Relevanz einer Nachricht sachgerecht zu beurteilen und die Berichterstattung entsprechend zu gestalten. Bei der Fülle eingehender Meldungen muß die Einschätzung der vorliegenden Nachrichtenwerte in kürzester Zeit erfolgen; Entscheidungen werden fast schon reflexartig getroffen (Wilke/Rosenberger 1991, 200). Je nach Bedeutung eines Ereignisses oder Themas bieten die Agenturen den Beziehern ihres Nachrichtendienstes Ergänzungen zur Kernberichterstattung an: Begleitende Hintergrundberichte oder Reportagen, Fotos und Grafiken. Zunehmende Bedeutung wird die Aufgabe erhalten, diese Produkte mit teilweise sehr unterschiedlichen Entstehungsbedingungen so zu koordinieren, dass die Agenturkunden Text, Bild und Grafik - sowie gegebenenfalls auch Ton und Film - mühelos aufeinander beziehen können. Daneben schließt die Servicefunktion der Agenturen auch die Beantwortung kurzfristiger Anfragen ein. Neben der fortlaufenden Belieferung mit aktuellen Texten und Bildern ermöglichen Nachrichtenagenturen auch den Zugriff auf ihr elektronisches Archiv. Die Online-Recherche in den Datenbanken der Agenturen steht zumeist auch denen offen, die keine Agenturkunden sind. Damit ergeben sich fünf Hauptfunktionen der Nachrichtenagenturen: (a) Versorgung mit aktueller Information (b) Versorgung mit unterhaltsamen Text- oder Bildformaten (c) Strukturierung der Themenvielfalt (d) Serviceleistungen für Redaktionen (e) Aufbereitung von Informationen in elektronischen Datenbanken |






