| Kommunikative Funktionen der Agenturarbeit - Seite 2 |
| Donnerstag, den 28. September 2000 um 19:23 Uhr | ||||||
Seite 2 von 4 3. Organisation der Nachrichtenagenturen 3.1. Rechtsformen und Typen Der Inhalt eines Agenturdienstes wird maßgeblich von der Rechtsform des Unternehmens und seiner wirtschaftlichen Stellung beeinflußt. Nachrichtenagenturen gibt es als Privatunternehmen, genossenschaftliche Zusammenschlüsse von Medienbetrieben und als Staatsunternehmen. Auch Zwischenformen sind möglich wie bei der französischen Agence France-Presse (AFP) mit der Organisation einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft bei privatwirtschaftlicher Ausrichtung des Managements (Schmid 1993, 67). Eine weite Verbreitung hat das Modell der genossenschaftlichen Trägerschaft gefunden, zuerst bei Associated Press (AP) als Gemeinschaftseinrichtung von Zeitungen und Rundfunksendern in den USA, später auch bei der japanischen Kyodo, der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der Austria Presse Agentur (APA), der Schweizerischen Depeschen-Agentur (SDA), der italienischen Agenzia Nazionale Stampa Associata (ANSA) und anderen. Die wirtschaftlichen Erträge dieser derart organisierten Agenturen werden in der Regel nicht ausgeschüttet, sondern in die technischen und personellen Kapazitäten reinvestiert. Die auf Ertragsmaximierung angelegten Privatagenturen haben ihren Schwerpunkt zumeist nicht im Medienbereich, sondern in der lukrativen Belieferung von Finanzunternehmen mit aktuellen Wirtschaftsdaten. Bei der Reuters Group PLC, der weltweit umsatzstärksten Nachrichtenagentur, stammen weniger als zehn Prozent der Einnahmen von Medienkunden. Zu den Reuter-Gesellschaftern gehören aber zwei genossenschaftlich organisierte Agenturen: die britische Inlandsnachrichtenagentur Press Association (PA) und die Australian Associated Press (AAP). Auch Finanzinformationsdienste wie die Vereinigten Wirtschaftsdienste (VWD), Dow Jones, Knight-Ridder oder Bloomberg zählen einzelne Medienunternehmen zu ihren Eigentümern. Agenturähnliche Funktionen erfüllen aktuelle Informationsdienste großer Zeitungshäuser wie z.B. der "New York Times". Eine völlig andere Ausrichtung haben Staatsagenturen. Sie bedienen vorrangig nicht die Informationsbedürfnisse ihrer Kunden, sondern wirken als Instrument staatlicher Informationspolitik sowohl nach innen als auch in die internationale Öffentlichkeit hinein. In Ländern mit Staatsparteien beeinflußt deren Ideologie unmittelbar das inhaltliche Angebot der Nachrichtenagentur bis hin zu bestimmten Sprachregelungen. Nach dem Auseinanderbrechen des sowjetischen Machtbereichs ist die chinesische Xinhua die bedeutendste Agentur dieser Prägung geblieben. Die russische ITAR-TASS, hervorgegangen aus der sowjetischen TASS, ist zwar nicht mehr an die kommunistische Ideologie gebunden, hat aber weiterhin amtlichen Charakter. Zentrale Aufgabe der Staatsagenturen ist die Verbreitung offizieller Mitteilungen der Regierung. Im Interesse der Herausbildung einer nationalen Identität wurden daher auch in den meisten Ländern der Dritten Welt staatliche Agenturen gegründet. Neben den Unterschieden in der Rechtsform werden Nachrichtenagenturen nach der Ausdehnung ihres Korrespondentennetzes eingeteilt in Weltagenturen, internationale Agenturen, Regionalagenturen und Nationalagenturen (Höhne 1984, 134). Weltagenturen verfügen über ein derart großes Netz von Korrespondenten, dass sie aus eigener Kraft eine Berichterstattung aus allen Regionen der Erde gewährleisten können. Außerdem bieten sie Nachrichtendienste in mehreren Sprachen an und sind daher auch in ihrem Vertrieb international ausgerichtet. Zu den Weltagenturen zählen AP, Reuters und AFP, ehedem gehörten diesem Kreis noch die amerikanische Nachrichtenagentur United Press International (UPI) und die sowjetische TASS an. Der Unterschied zu den internationalen Agenturen ist lediglich gradueller Art, da für diese die genannten Kriterien einer Weltagentur ebenfalls zutreffen, aber in geringerem Maße ausgeprägt sind. Zu den führenden internationalen Agenturen zählt die dpa. Klarer bestimmt werden kann die Gruppe der Regionalagenturen, die in einer bestimmten Region länderübergreifend tätig sind wie z.B. die ägyptische MENA für den Nahen Osten. Die meisten der mehr als 180 Nachrichtenagenturen mit einem tagesaktuellen politischen Dienst sind Nationalagenturen, die im wesentlichen nur in ihrem jeweiligen Inland eigene Berichterstatter haben. Alle Agenturen verbindet ein vielseitiges System von Austauschverträgen, ausgenommen sind Vertragsbeziehungen zwischen direkten Konkurrenten auf dem gleichen Nachrichtenmarkt. Ein typisches Verhältnis ist etwa die Verbindung zwischen einer Weltagentur und einer Nationalagentur, wobei der kleinere Partner die internationale Berichterstattung übernimmt und die große Agentur das jeweils nationale Meldungsangebot auswertet. Große nationale Agenturen wie die APA haben die Dienste vieler internationaler Agenturen abonniert und können so eine Synopse aus dem Gesamtangebot zusammenstellen. Unterschieden werden Nachrichtenagenturen ferner nach ihrer inhaltlichen Reichweite: Während Universalagenturen das gesamte aktuelle Geschehen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und dem soge-nannten Vermischten abdecken, konzentrieren sich Spezialagenturen auf ein bestimmtes Thema. Zu nennen sind hier etwa in Deutschland der Evangelische Pressedienst (epd) und die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) sowie der Sport-Informations-Dienst (sid). |






