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Montag, den 04. Juni 2001 um 18:32 Uhr
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Agenturjournalismus - eine Einführung
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Zu den wichtigen Grundsätzen des Agenturjournalismus gehört, daß falsche Fakteninformationen so schnell wie möglich berichtigt werden. Sinnvollerweise sollte dies noch am gleichen Tag erfolgen - solange die Chance besteht, daß eine falsche Meldung zumindest noch nicht von einer Zeitung veröffentlicht wurde.

Eine Agenturmeldung ist oft kein fertiges Produkt, sondern wird im Laufe eines Tages mehrfach aktualisiert und im Lichte neuer Informationen, Entwicklungen oder Reaktionen neu gefasst. Um wichtigere Ereignisse aus dem allgemeinen Meldungsstrom herauszuheben, werden abgestufte Sendeprioritäten eingesetzt: von der Blitzmeldung (Priorität 1) über die Eil- und Vorrangmeldung bis hin zur Routinemeldung (Priorität 4).

Weitere Bestandteile des international vereinbarten Standards für das Format von Agenturmeldungen sind die Ressortkennung (z.B. pl für Politik und wi für Wirtschaft) und eine oberhalb der Überschrift angeordnete Stichwortzeile (auch Catchword oder Slug genannt) für eine erste thematische Einordnung des gemeldeten Sachverhalts. Mit Blick auf den Redaktionsschluß der Tageszeitungen werden mehrere, zu einem bestimmten Thema gehörende Einzelmeldungen bis zum frühen Nachmittag in Form von übersichtlichen Zusammenfassungen angeboten.

Der erste Satz einer Agenturmeldung, Lead-Satz oder kurz Lead genannt, soll den Kern der Information enthalten. Der weitere Aufbau folgt dem Prinzip der umgekehrten Pyramide: Nach dem ganz oben platzierten Schwerpunkt der Information verjüngt sich die Pyramide, indem zunächst die für das Verständnis des Nachrichtenkerns wesentlichen Zusatzinformationen und später die Details sowie ergänzender Hintergrund folgen. Dieser Aufbau ermöglicht es den Zeitungsredakteuren, eine Meldung von hinten nach vorne zu kürzen. Unverzichtbar sind die Antworten auf die fünf klassischen W-Fragen: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Hinzu kommen zwei weitere Fragen: Wie? Welche Quelle? Die Antworten darauf sollen nach Möglichkeit im ersten Absatz einer Agenturmeldung genannt werden. Eine freiere Gestaltung ist bei Nachrichten mit Service-Charakter wie etwa Verbraucherinformationen oder bei "bunten Meldungen" möglich, die als "soft news" unterhaltsamen Lesestoff bieten sollen.

Die Voraussetzungen für den gleichmäßigen aktuellen Nachrichtenfluß in einer Agentur sind erstens ein reibungslos funktionierendes System von Korrespondenten vor Ort, Außenbüros und Zentrale und zweitens die technischen Kapazitäten zur ständigen internen Vernetzung dieses Systems sowie zur Übermittlung des Nachrichtendienstes an seine Bezieher. Die Außenbüros im Inland oder im Ausland haben die Aufgabe, die Entwicklungen in ihrer Region kontinuierlich zu beobachten und die Berichterstattung über aktuelle Ereignisse zu gewährleisten. Sie sind es vor allem, die Selektionsentscheidungen treffen und die Korrespondenten oder freien Mitarbeiter dementsprechend einsetzen. Die Außenbüros stimmen sich dabei mit der Zentrale ab, teilweise geschieht dies regelmäßig über tägliche Telefonkonferenzen. Die größeren Außenbüros redigieren bereits die Texte ihrer Korrespondenten, bevor sie in der Zentrale umgeschlagen werden. Ein erheblicher Teil der Redigierarbeit ist aber in der Zentrale zu leisten. Dort trifft ein Schichtleiter für die verschiedenen Ressorts die letzte Entscheidung, ob eine Meldung in der vorliegenden Form gesendet wird. Dessen Arbeitsplatz - nach der angloamerikanischen Agenturfachsprache oft Slot genannt - ist die eigentliche Schaltzentrale des fortlaufenden Nachrichtendienstes. Der Schichtleiter gibt auch Anfragen aus den Redaktionen der Agenturkunden an Außenbüros oder gegebenenfalls an die Chefredaktion weiter. Ein erheblicher Teil der Agenturarbeit in den Außenbüros wie in der Zentrale besteht in der Sichtung eingehender Pressemitteilungen, der Prüfung von Vorabmeldungen der Medien sowie in der Auswertung von anderen Agenturdiensten, deren Meldungsangebot zur Ergänzung der eigenen Berichterstattung bezogen wird.

In den nationalen Vertretungen der Weltagenturen mit einem eigenen Nachrichtendienst in der jeweiligen Landessprache (z.B. die deutschsprachigen Dienste von AP, Reuter, AFP) besteht neben der eigenständigen Nachrichtensammlung im Inland ein Auslandsressort, in dem das oft mehrsprachig eintreffende internationale Meldungsangebot für den Dienst in der eigenen Sprache aufbereitet wird. In der Gegenrichtung werten die für den Weltdienst tätigen Korrespondenten neben eigenen Recherchen den Inlandsdienst aus.

 

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