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Vom Crash zum Flash E-Mail
Mittwoch, den 04. Februar 2009 um 16:44 Uhr

Die Eilmeldung ist der Brecher in der ständigen Brandung der Nachrichtenflut. Im Umgang mit den Breaking News gibt es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Nachrichtenagenturen. Jetzt hat AFP seine bisherige Praxis geändert und der Eilmeldung ein neues "Dringend"-Format vorangestellt.


"Dabei handelt es sich um ... einen mit der Priorität 2 gesendeten Einzeiler, der der ausformulierten, aus maximal drei Sätzen bestehenden 'Eilmeldung' vorausgeschickt wird", erklärt AFP in einer Mitteilung an alle Bezieher des Nachrichtendienstes. Damit werde die Lücke geschlossen "zwischen dem äußerst selten eingesetzten 'Blitz' für unerwartet eintretende Ereignisse von historischer Tragweite und der deutlich häufiger verwendeten 'Eilmeldung'."

Die Nachrichtenagenturen in Deutschland unterscheiden sich vor allem darin, wie sie mit der Priorität 2 umgehen:

 1
 2 23
AFP
Blitz
 Dringend Eil 
   max. 68 Zeichen
 max. 3 Sätze
 
 AP Blitz  Eil 
    max. 1 Satz
 
 ddp Blitz
  Eil Vorrang
    max. 3 Sätze
 max. 2 Absätze
 dpa Blitz Eil Eil
 Eil 
   max. 1 Satz
 max 5-8 Zeilen
 
Reuters
 Priorität 1
  Priorität 2
 Priorität 3
    max 3 Sätze 

Das Meldungsformat, wie es vom International Press Telecommunications Council (IPTC) standardisiert wurde, sieht sechs verschiedene Sendeprioritäten vor, von denen aber meist nur die ersten vier für aktuelle Meldungen verwendet werden. Die Sendepriorität 3 ist die niedrigste Stufe mit herausgehobener Dringlichkeit, hat aber bei den meisten Agenturen keine besondere Bezeichnung. Auch bei Reuters sowie bei der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) haben Eilmeldungen keinen besonderen Namen - in der Erwägung, dass die Redaktionssysteme der Bezieher diese Prioritäten ohnehin besonders markieren oder mit einem Alarm versehen. 

In dem einfachen Schema der oben stehenden Tabelle müssen ziemlich komplexe Entscheidungsprozesse untergebracht werden. Die Eiligkeit einer Meldung richtet sich nach drei Kriterien, die bei einer Nachricht ganz unterschiedlich ausfallen können:
- zeitliche Nähe zum Ereignis
- Grad der Überraschung
- Relevanz

Am schwierigsten ist die Relevanz zu beurteilen. So wurde auch schon mal eine Explosion in Israel als "Eil" verbreitet, die sich nach kurzer Zeit als geplatzter Busreifen herausstellte. Aber die Zeit für eine sachgerechte Einschätzung der Relevanz geht auf Kosten der beiden anderen Eil-Kriterien.  Eine Eilmeldung bedeutet also letztlich nur, dass etwas passiert ist, was die Redaktion der Nachrichtenagentur für überraschend oder dringlich hält. Die tatsächliche Relevanz lässt sich oft erst in den folgenden Meldungen abschätzen.

Zum neuen AFP-Format heißt es: "Künftig sendet AFP eine 'Dringend' mit maximal 68 Zeichen bei Breaking News, die überraschend auftreten und in ihrer Bedeutung weitreichend sind, gleichwohl aber nicht die historische Dimension einer 'Blitz'-Meldung erreichen." Dabei unterscheidet AFP jetzt zwischen wichtig+überraschend und wichtig+nicht überraschend: "Eine 'Eilmeldung' ohne vorausgehende 'Dringend'-Meldung ist solchen News vorbehalten, die zwar wichtig sind, aber Vollzugscharakter haben (z.B. Bundeskabinett verabschiedet Konjunkturpaket) und insofern vorhersehbar waren."

Nachrichtenagenturen sind nicht die einzigen, die als erste ein neues Ereignis vermelden. Bei einer Live-Übertragung ist das Fernsehen nicht zu schlagen. Und als am 15. Januar ein Airbus nach dem Start in New York im Hudson River gelandet ist, hatte der Augenzeuge Janis Krums in seinem Twitter-Feed um 15.36 Uhr als erster das Ereignis gemeldet, AP folgte zehn Minuten später. Aber twittern kann jeder, und eine Information wird erst dann zur Nachricht, wenn sie glaubwürdig verbürgt ist.

Das bedeutet nicht, dass "Citizen Journalists" nicht die gleiche Glaubwürdigkeit erreichen können wie Nachrichtenagenturen. Dazu ist allerdings ein langfristiger Prozess der Vertrauensbildung und der Nachweise von Zuverlässigkeit erforderlich, der sich allein nach journalistischen Kriterien richten kann. Vielleicht gibt es in 10 oder 20 Jahren Twitter-ähnliche Dienste mit aktuellen Content-Providern, die so solide sind, dass sie die Funktion einer Nachrichtenagentur erfüllen. Einstweilen aber bleiben Web-Portale, TV-Sender oder SMS-Nachrichtendienste für ihre aktuellen Ticker auf die Dienste der bestehenden Agenturen angewiesen. 

 

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