B2B oder B2C?
 

RSS-Feed abonnieren

RSS Feed agenturjournalismus.de
AP-Betriebsrat: "Trauriger Tag" E-Mail
Dienstag, den 08. Dezember 2009 um 08:04 Uhr

Mit Unverständnis und Enttäuschung hat der AP-Betriebsrat auf die bislang vorliegenden Informationen über einen Verkauf des deutschen AP-Dienstes an ddp reagiert. Der Gesamtbetriebsrat sprach in einer Erklärung von einem "traurigen Tag". Mit dem Verkauf der AP GmbH ende "ein stolzes Kapitel Mediengeschichte".

Die Nachrichtenagentur ddp bestätigte den Bericht der Süddeutschen Zeitung in einer Meldung am späten Montagabend: "Die Nachrichtenagentur ddp Deutscher Depeschendienst hat die deutsche Tochter der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) am Montag mit sofortiger Wirkung übernommen. ... Die AP-Dienste werden weiterhin produziert und von ddp integriert."

Die AP-Geschäftsleitung kündigte für (den heutigen) Dienstag eine öffentliche Mitteilung an.

Die Vertretung der Redakteure und kaufmännischen Angestellten bei AP kritisierte die Informationspolitik ihres Unternehmens. Es sei bezeichnend, "dass wir ... die erste Nachricht vom offenbar sofortigen Verkauf wieder einmal nur aus der Zeitung erfahren haben." Die Gründe für den Verkauf seien "zum großen Teil ein Rätsel". Schließlich sei die AP GmbH bis zuletzt "mit einem Jahresumsatz von rund 13 Millionen Euro hochprofitabel" gewesen und habe "Jahr für Jahr Millionen-Überschüsse an die Mutter in New York überwiesen".

Der Betriebsrat begrüßte die Ankündigung des neuen Eigentümers, "dass nun nicht der Abbau von Stellen im Fokus stehen soll". Es gehe nicht nur um Märkte und Zahlen, sondern auch um journalistische Inhalte. "Die AP-Mitarbeiter erwarten nun eine zügige und umfassende Klärung, wie es mit der GmbH, ihren Stellen, den geltenden Arbeits- und Tarifverträgen sowie den bisherigen Hauptstandorten Frankfurt und Berlin und den Regionalbüros weitergeht", heißt es in der Erklärung.

"Wirtschaftliche und strategische Gründe"

AP hat die längste ausländische Agenturtradition in Deutschland. Bereits 1931 wurde eine AP GmbH gegründet, die einen deutschsprachigen Dienst plante. Das Berliner Büro wurde 1941 vom NS-Regime geschlossen. So ging die erste deutschsprachige AP-Meldung erst 1946 auf den Ticker, 1950 wurde die AP GmbH als deutsche Tochtergesellschaft wiedergegründet. Seit 1981 gibt es als eigene Einheit der GmbH auch einen Schweizer Dienst in deutscher und französischer Sprache. Im Unterschied zum chronisch defizitären AP-Dienst in Frankreich - für den AP keinen Käufer fand - ist der deutsche Dienst profitabel geblieben. Das lag nicht zuletzt an einer - gemessen am Marktführer dpa - kleinen, aber engagierten Redaktion.

Diese blickt auf ein bewegtes Jahr zurück. Im Februar nahm Geschäftsführer Oliver Lux nach knapp vier Jahren seinen Abschied. Die von ihm geplanten Investitionen in die Zukunft von AP, gestützt auf eine Studie unter Leitung des Agenturmarktexperten Wolfgang Wähner-Schmidt, fanden in New York offenbar keine Zustimmung, zumal Associated Press auf ihrem heimischen Markt in den Sog der Zeitungskrise geriet. Der neue Geschäftsführer Nigel Baker hatte sein Büro schon nicht mehr in Frankfurt, sondern führte die Geschäfte der GmbH von London aus - neben seiner Zuständigkeit für ganz Europa, Afrika und Asien. Wenige Monate nach der Übernahme der neuen Aufgabe gab es die ersten Presseberichte über einen möglichen Verkauf an ddp, die von den Beteiligten zunächst dementiert beziehungsweise als Gerücht bezeichnet wurden.

Warum zieht sich AP aus dem Nachrichtengeschäft in Deutschland zurück? Baker antwortete auf einer Betriebsversammlung am 28. Oktober, für diese Entscheidung gebe es "wirtschaftliche und strategische Gründe". Die wirtschaftlichen Gründe seien die Mindereinnahmen aufgrund der Zeitungskrise in den USA - mehrere Zeitungen mussten in diesem Jahr aus Kostengründen eingestellt werden, sie haben Leser und Anzeigen ans Internet verloren. Hinzu kamen Kündigungen großer Zeitungen wie der Chicago Tribune. AP reagierte mit dem Beschluss, zehn Prozent der weltweit 4.100 Stellen zu streichen. Strategisch, so erklärte Baker, sei AP in New York zu der Überzeugung gelangt, dass eine Konsolidierung bei den Nachrichtenagenturen in Deutschland unausweichlich sei. "Anstatt von der Konsolidierung getrieben zu werden, wollten wir selbst agieren."

Der jetzt nach Wochen massiver Unsicherheit für die Redaktion beschlossene Verkauf der AP GmbH ist eine einschneidende Änderung in der Geschichte der Nachrichtenagenturen in Deutschland - zu vergleichen nur mit dem Rückzug von UPI aus Deutschland im Jahr 1971. Daraus entstand damals der Deutsche Depeschendienst (ddp), der nach einer wechselvollen Firmengeschichte nun den deutschsprachigen Dienst von AP übernimmt.

In der Frankfurter Zentrale von AP werden rund um die Uhr Nachrichten aus Deutschland und aus aller Welt geschrieben, am Tag sind es im Schnitt etwa 250 Meldungen und Korrespondentenberichte.

AP beschäftigt in Deutschland rund 110 Mitarbeiter, darunter 80 Redakteure. Die Zentrale in Frankfurt ist zugleich technischer Knoten für die Leitungen des Agenturnetzes nach Osteuropa. Die 25 Textredakteure in Frankfurt erstellen rund um die Uhr einen Dienst mit etwa 300 Meldungen am Tag, davon 40 Prozent Auslandsnachrichten. Für diese wird der englischsprachige Dienst mit dem aktuellen Content der AP-Korrespondenten in aller Welt ausgewertet und an die Bedürfnisse der Medienöffentlichkeit in Deutschland angepasst. Der Inlandsdienst stützt sich auf die Redaktion in Frankfurt und auf die Hauptstadtredaktion in Berlin. Der Nachrichtendienst enthält auch wöchentliche Themenpakete zu Ressorts wie Gesundheit, Kino, Rock- und Popmusik sowie Computer und Internet. Der Textnachrichtendienst wird begleitet von Fotos und Infografiken. Zur AP GmbH gehört auch der Schweizer Dienst mit Redaktionen in Bern und Zürich. Dort werden Schweizer Inlandsmeldungen recherchiert und geschrieben, die Auslandsmeldungen kommen aus Frankfurt beziehungsweise - für den französischsprachigen Dienst der Schweiz - aus Paris.

 

Twitter Ticker

home search