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AFP steckt Koordinaten neu ab E-Mail
Samstag, den 06. März 2010 um 10:12 Uhr

Angesichts der Umwälzungen auf dem Markt der Nachrichtenagenturen in Deutschland hat auch AFP damit begonnen, seinen Standort neu zu bestimmen. Geschäftsführer Clemens Wortmann erklärte im Gespräch mit journalist-Redakteurin Svenja Siegert, wie die Agentur sich künftig zwischen dpa und der ddp/DAPD-Gruppe positionieren will. 

Der AFP-Textdienst werde sich weiterhin als Ergänzung zum Marktführer dpa aufstellen, sagte Wortmann im journalist-Interview (März-Ausgabe). Er glaube nicht, "dass der ddp-Angriff auf dpa Erfolg haben wird". AFP konzentriere sich daher in der Inlandsberichterstattung auf die überregional bedeutsamen Ereignisse und Themen: "Wir berichten aus München nur, was den Flensburger interessiert, und aus Flensburg nur, was auch in München interessiert."

Der Schwerpunkt soll bei AFP weiter auf der Auslandsberichterstattung liegen. Bisher habe AFP im Vergleich zu DAPD "zwar weniger Inlandskorrespondenten, aber den deutlich größeren Auslandsdesk" sowie das größere Netz von deutschen Korrespondenten im Ausland. Bei einem Ausbau der DAPD-Auslandsberichterstattung werde AFP "gegebenenfalls reagieren", kündigte Wortmann an.

Eine wichtige Rolle misst AFP auch Multimedia- und Video-Angeboten bei. Dies werde bislang von der ehemaligen AP und von ddp vernachlässigt. Wortmann wies den Vorwurf zurück, dass dies nur deswegen möglich sei, weil AFP in Deutschland das Angebot der staatlich subventionierten Mutter in Paris nutzen könne: "Wir zahlen für Leistungen jeglicher Art aus Paris." Der Preis für die Lizenz der Textdienste entspreche ungefähr dem, "was wir von zwei unserer größten Kunden im Jahr einnehmen".  

Im Fotodienst läuft die bisherige Zusammenarbeit mit ddp nach Angaben Wortmanns Ende Mai aus - "in der neuen Konstellation macht diese Kooperation keinen Sinn mehr". Wortmann kündigte an, ab Juni "eine eigene Fotoabdeckung aus Deutschland aufzubauen". Dafür sollen neben der Zusammenarbeit mit Partnern auch Fotojournalisten neu eingestellt werden. Die Bildberichterstattung aus Deutschland soll sich zunächst vor allem auf diejenigen Themen konzentrieren, die auch international interessant sind. 

 
AP will aufs iPad E-Mail
Montag, den 01. März 2010 um 16:25 Uhr

Nach dem Nachrichtenangebot fürs iPhone will AP auch auf dem iPad Nachrichten, Fotos und Videos anbieten. "Wir müssen diese Gelegenheit ergreifen, um sowohl unsere Geschäftsmodelle als auch unseren Journalismus zu stärken", sagte Vorstandschef Tom Curley vor der Colorado Press Association.

Associated Press tritt bereits auf dem iPhone als eigener Nachrichtenanbieter auf und erweitert so das traditionelle B2B-Geschäftsmodell (Business to Business, also Belieferung von Medienunternehmen) in Richtung B2C (Business to Consumer, also Belieferung auch von Endverbrauchern). Wie beim iPhone-App von AFP wird neben den Nachrichteninhalten auch Werbung transportiert. Im Zentrum steht bei AP aber erklärtermaßen die Absicht, die Zeitungen und Rundfunksender dabei zu unterstützen, "in der nächsten Welle von Internet-Geräten wie dem iPad von Apple digitale Produkte direkt an Leser zu verkaufen".

Inwieweit ein solches Paid-Content-Modell funktioniert, ist in der Branche umstritten. Entscheidend wird die Antwort auf die Frage sein, ob Leser bereit sind, für maßgeschneiderte Informationsangebote auf dem iPad, einem E-Book-Reader oder ähnlichen Geräten zu zahlen. Schließlich bietet das iPad mit seinem Browser auch den Zugang zu den kostenlos verfügbaren Nachrichten-Portalen im Web.

Curley sprach von einer Mischfinanzierung aus Werbung und Nutzergebühren. Jane Seagrave, AP-Managerin mit der neuen Aufgabe eines "Chief Revenue Officers", sagte, dass der Preis für die geplante iPad-Anwendung noch nicht feststehe. Möglicherweise werde sie zunächst kostenlos angeboten. Hauptunterschied zum iPhone mit seinem 3,5-Zoll-Bildschirm ist das große Display des für Ende März angekündigten iPads mit einer Diagonalen von 9,7 Zoll. Auch die New York Times und das Wall Street Journal bereiten Angebote für das iPad vor, wobei die Überlegungen in Richtung eines Abo-Modells gehen, wie es jetzt auch der Spiegel auf dem iPhone gestartet hat.

Für die neue Strategie gründete AP einen eigenen Geschäftsbereich mit der Bezeichnung AP Gateway. Dieser ist zuständig für die Weiterentwicklung mobiler Dienste und Online-Präsentationen wie zuletzt zu den Olympischen Winterspielen von Vancouver und davor beim Weltklimagipfel in Kopenhagen. Auslöser für die Suche nach neuen Geschäftsmodellen war für AP vor allem die Anzeigenkrise der Zeitungen und Rundfunksender - die zugleich die Eigentümer der News-Kooperative sind. Dies hat AP 2008 veranlasst, die Gebühren für den Bezug der Nachrichtendienste deutlich zu senken. Die Einnahmen gingen dadurch im vergangenen Jahr um etwa sechs Prozent auf rund 700 Millionen Dollar zurück. AP reagierte auf diese Entwicklung mit einem Stellenabbau von zehn Prozent und dem Verkauf des deutschen Dienstes.

 
AFP-Chef geht in schwieriger Zeit E-Mail
Mittwoch, den 24. Februar 2010 um 21:15 Uhr

afp_paris

Mitten in der Debatte über die Zukunft von AFP zwischen Marktzwängen und staatlicher Unterstützung ist der Mann an der Spitze zurückgetreten: Nach gut vier Jahren an der Place de la Bourse in Paris wechselt Pierre Louette zur France Telecom.

Louette bleibt nur noch bis Ende März bei AFP - in dieser Zeit muss der Verwaltungsrat einen neuen Président Directeur Général (PDG) wählen. Von den 15 Mitgliedern dieses Gremiums stellt die Presse acht Vertreter, der Rundfunk zwei, die Regierung drei und die Beschäftigten zwei.

Für AFP kommt die Entscheidung überraschend. "Es gibt niemals einen guten Augenblick um zu gehen", sagte Louette, "aber das ist nicht das Schlechteste, im Gegenteil. Er verlasse AFP in einer Zeit, in der sich eine Verbesserung der finanziellen Lage abzeichne. Seine zweite Amtszeit hätte noch bis 2011 gedauert.

Aber der Rücktritt fällt auch in eine Zeit, in der die Beratungen über ein neues Statut von AFP noch nicht abgeschlossen sind. Die Gewerkschaften haben vor einer Verstaatlichung und dem Verlust der Unabhängigkeit gewarnt, zuletzt geriet die Reform ins Stocken. In einer Erklärung an die AFP-Mitarbeiter schrieb Louette: "Ich denke, dass es einen neuen Präsidenten geben sollte, der die Pläne zur Reform und Entwicklung der Agentur vollendet, sie durch das Parlament bringt und sie in den nächsten Jahren umsetzt."

Das im März von Louette vorgeschlagene Modell definiert AFP als "société nationale à capitaux publics", als Gesellschaft, dessen Kapital von drei staatlichen Finanzinstituten getragen wird. Die Reaktionen auf diesen Plan fielen jedoch zurückhaltend bis kritisch aus. Im Parlament äußerten sich Abgeordnete besorgt, dass die staatliche Kapitalbasis dem Image von AFP im Ausland schaden könnte. Jetzt hat das Kulturministerium ein Expertengremium aus fünf Journalisten und Medienmanagern eingesetzt, das im April seine Vorschläge zur Zukunft von AFP vorlegen soll. Kulturminister Frédéric Mitterrand hofft, dass es dann einen Konsens von AFP-Leitung, Beschäftigten, Regierung und Parlament geben wird.

Louette, Absolvent der Elitehochschule ENA und in den Jahren 1993 bis 1995 technischer Berater des konservativen Premierministers Edouard Balladur, kam 2003 zu AFP. Im Dezember 2005 wurde er zum Präsidenten (PDG) gewählt, nachdem Bertrand Eveno ebenfalls vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit zurückgetreten war.

 

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